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	"plain_text": "Nach Pfändung: Staatstrojaner-Hersteller FinFisher „ist\r\ngeschlossen und bleibt es auch“\r\nBy Andre Meister\r\nPublished: 2022-03-28 · Archived: 2026-04-06 01:36:15 UTC\r\nDer Münchener Staatstrojaner-Hersteller FinFisher ist offenbar am Ende. Die drei Firmen FinFisher GmbH,\r\nFinFisher Labs GmbH und raedarius m8 GmbH haben Insolvenz angemeldet, die Verfahren sind eröffnet. Der\r\nGeschäftsbetrieb ist eingestellt, das Büro ist aufgelöst, alle 22 Mitarbeiter sind entlassen. Das bestätigt der\r\nInsolvenzverwalter gegenüber netzpolitik.org:\r\nDie Geschäftsbetriebe der genannten Gesellschaften waren bereits bei Antragstellung nahezu eingestellt\r\nbzw. sind zwischenzeitlich vollständig eingestellt worden. Arbeitnehmer werden in den Gesellschaften\r\nnicht mehr beschäftigt. Die Geschäftsräumlichkeiten wurden im Zuge der Eröffnung des\r\nInsolvenzverfahrens aufgegeben und der Standort Baierbrunner Straße 15 in München aufgelöst, da es\r\nkeine Perspektive einer Fortführung des Geschäftsbetriebs gab.\r\nIm Zuge der Insolvenzverfahren über die oben genannten Gesellschaften werden diese daher\r\nabgewickelt und aufgelöst bzw. sind bereits aufgelöst (FinFisher GmbH).\r\nAm Büro in München hingen zwar letzte Woche noch Firmen-Logos, aber im Büro arbeitet niemand mehr. Der\r\nBriefkasten ist zugeklebt, die Webseite finfisher.com, die E-Mail-Adressen und die Telefonnummer sind nicht\r\nmehr erreichbar. Auf der Überwachungsmesse ISS World in Dubai Anfang März hat FinFisher trotz Ankündigung\r\nund Vertrag „nicht teilgenommen, nicht bezahlt und nicht abgesagt“, so eine Sprecherin der Messe.\r\nJemand, der bis vor kurzem leitender Angestellter bei FinFisher war, bestätigt gegenüber netzpolitik.org:\r\n„FinFisher ist geschlossen und bleibt es auch. Ihr habt euer Ziel erreicht.“ Der weltbekannte Staatstrojaner aus\r\nDeutschland, den Reporter ohne Grenzen seit 2013 als Feind des Internets bezeichnet, ist am Ende.\r\nKomplettes Portfolio des Hackens\r\nFinFisher hat eine Staatstrojaner-Suite entwickelt und vertrieben, die es als „komplettes Portfolio des Hackens“\r\nbewirbt. Kunden sind Polizeien und Geheimdienste auf der ganzen Welt, FinFisher wirbt mit dem Kampf gegen\r\nKriminalität.\r\nDoch FinFisher steht selbst im Fokus der Ermittlungsbehörden. Staatsanwaltschaft und Zoll ermitteln gegen die\r\nFirmengruppe wegen des Verdachts, dass die Trojaner-Software „ohne die erforderliche Ausfuhrgenehmigung des\r\nBundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ausgeführt worden sein könnte“, so die Staatsanwaltschaft.\r\nAnlass für die Maßnahmen ist unsere Strafanzeige, die wir 2019 gemeinsam mit der Gesellschaft für\r\nFreiheitsrechte, Reporter ohne Grenzen und dem Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte\r\nverfasst und eingereicht haben. FinFisher bestritt die Vorwürfe der Strafanzeige.\r\nhttps://netzpolitik.org/2022/nach-pfaendung-staatstrojaner-hersteller-finfisher-ist-geschlossen-und-bleibt-es-auch/\r\nPage 1 of 7\n\nErmittlung, Durchsuchung, Pfändung\r\nNach Einreichung der Strafanzeige haben Staatsanwaltschaft und Zollkriminalamt Ermittlungen aufgenommen,\r\nim Jahr 2020 haben sie 15 Geschäftsräume der Firmengruppe und Privatwohnungen durchsucht. Ende 2021 wollte\r\ndie Staatsanwaltschaft Vermögen der Firmengruppe pfänden, das aus mutmaßlich illegalen Geschäften stammt.\r\nOberstaatsanwältin Anne Leiding, Pressesprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft in München, erklärt\r\ngegenüber netzpolitik.org:\r\nDas Amtsgericht München hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Vermögensarrest (gemäß § 111e\r\nStPO) erlassen, um das durch die FinFisher Gruppe aus einer rechtswidrigen Tat Erlangte zur\r\nVorbereitung einer möglichen Einziehung (gemäß §§ 73ff StGB) sichern.\r\nDurch die Insolvenzanträge wurden die Pfändungen unwirksam, so die Staatsanwaltschaft:\r\nNach Insolvenzordnung (§ 88 Abs. 1 InsO) wurden die auf dieser Grundlage ausgebrachten Pfändungen\r\nmit der Eröffnung unwirksam, da sie binnen eines Monats vor dem Antrag auf Eröffnung des\r\nInsolvenzverfahrens erlangt wurden.\r\nInsolvent: FinFisher, Labs, raedarius\r\nFinFisher besteht aus einem ganzen Netzwerk an Firmen, das sich immer wieder ändert und weiterentwickelt.\r\nZentral und von den aktuellen Entwicklungen betroffen sind drei Firmen in München, die der ehemalige Hacker\r\nMartin Johannes Münch alias „mjm“ und der Geschäftsmann Stephan Oelkers zusammen aufgebaut haben.\r\nMünch hat auf unsere wiederholten Anfragen nicht geantwortet, Oelkers ist 2016 gestorben.\r\nMünch und Oelkers haben 2008 die Firma FinFisher Labs GmbH gegründet, bis 2013 hieß sie Gamma\r\nInternational GmbH. Sie hat als Gegenstand unter anderem „Entwicklung und Produktion“ von Software. Ein\r\nGeschäftsführer versicherte 2019 eidesstattlich: „Die FinFisher Labs GmbH hat die Software FinFisher\r\nentwickelt.“ Die FinFisher Labs hat Techniker und Entwickler angestellt. Laut jüngstem Jahresabschluss hatte die\r\nFirma 2019 durchschnittlich 13 Angestellte. Jetzt ist sie insolvent.\r\nIm Jahr 2013 kaufte das Bundeskriminalamt FinFisher und FinFisher löste sich vom Label der Firmengruppe\r\nGamma. Münch und Oelkers übernahmen die Firma FinFisher GmbH, die bis dahin Gamma International Sales\r\nGmbH hieß. Sie hat als Gegenstand den „Handel und Vertrieb von Software- und Nachrichtensystemen“. Laut\r\njüngstem Jahresabschluss hatte die Firma 2019 durchschnittlich neun Angestellte. Im Juni 2021 ist der\r\nGeschäftsführer Carlos Gandini nach knapp fünf Jahren ausgeschieden. Jetzt ist die Firma insolvent und aufgelöst.\r\nEbenfalls 2013 übernahmen Münch und Oelkers die Firma raedarius m8 GmbH. Sie hat als Gegenstand die\r\n„Verwaltung eigenen und fremden Vermögens“. In Bulgarien und Malaysia gibt es ebenfalls Firmen mit dem\r\nNamen raedarius m8, in Zypern und Dubai mit Namen raedarius – sie nutzen die selbe E-Mail-Domain\r\n@raedariusm8.com wie die deutsche GmbH, aber keine hat auf unsere Anfrage geantwortet. Laut jüngstem\r\nJahresabschluss hatte die Münchener Firma raedarius m8 GmbH 2019 durchschnittlich vier Angestellte. Jetzt ist\r\nsie insolvent.\r\nDer Gründer Martin Münch zog sich aus dem Alltagsgeschäft zurück, blieb zunächst Prokurist, dann\r\nAnteilseigner, wie mehrere ehemalige Angestellte bestätigen. Oelkers blieb Geschäftsführer aller drei Firmen bis\r\nhttps://netzpolitik.org/2022/nach-pfaendung-staatstrojaner-hersteller-finfisher-ist-geschlossen-und-bleibt-es-auch/\r\nPage 2 of 7\n\nzu seinem Tod. 2018 übernahm Georg Magg die Geschäftsführung der drei Firmen und blieb es bis zur Insolvenz.\r\nWir haben Magg über verschiedene Wege eine Reihe an Fragen gestellt, leider hat er nicht geantwortet.\r\nWeitere Firmen im Umfeld\r\nMünch und Oelkers haben 2013 eine vierte Firma übernommen, die FinFisher Holding GmbH, die vorher Gamma\r\nInternational Holding GmbH hieß. Vor zwei Jahren wurde sie umbenannt in Vilicius Holding GmbH. Der jüngste\r\nJahresabschluss für 2019 sagt: „Die durchschnittliche Zahl der während des Geschäftsjahres im Unternehmen\r\nbeschäftigten Arbeitnehmer betrug 0.“\r\nOelkers übernahm 2013 eine fünfte Firma, die so m8 GmbH. Sie teilt den Namensbestandteil „m8“ mit der\r\ninsolventen raedarius m8 GmbH. Der jüngste Jahresabschluss für 2018 sagt: „Die durchschnittliche Zahl der\r\nwährend des Geschäftsjahres im Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmer betrug 0.“\r\nAll diese fünf Firmen hatten bzw. haben die selbe Geschäftsadresse bei einer Anwaltskanzlei in München. Partner\r\nder Kanzlei ist ein Rechtsanwalt und Steuerberater, der vier der fünf Firmen gegründet hat. Auf Anfrage erklärt er:\r\n„Als Anwalt ist es üblich, sogenannte Vorratsgesellschaften zu gründen, in der Gründungsphase als\r\nGeschäftsführer zu agieren und, vor Aufnahme einer aktiven Tätigkeit der jeweiligen Vorratsgesellschaft, das Amt\r\nan Dritte zu übergeben.“\r\nNach dem Tod von Oelkers wurde er erneut Geschäftsführer der Vilicius Holding GmbH und so m8 GmbH und ist\r\nes bis heute. Wir haben ihn gefragt, welche Verbindungen und Geschäftsbeziehungen diese beiden Firmen mit der\r\nFinFisher-Firmengruppe haben. Er erklärt, dass alle Antworten „aus den allgemein zugänglichen amtlichen\r\nQuellen ersichtlich“ sind. Auf Rückfrage dazu hat er nicht geantwortet.\r\nGefragt nach den Ermittlungen, Durchsuchungen und Vermögensarresten der Staatsanwaltschaft erklärt er: „Ich\r\nwurde weder von der Staatsanwaltschaft befragt noch von dieser als Beschuldigter geführt.“\r\nDie Staatsanwaltschaft gibt an, mit Unterstützung weiterer Strafverfolgungsbehörden auch „ein Unternehmen aus\r\nder Unternehmensgruppe in Rumänien durchsucht“ zu haben. Welche Firma das ist, konnten wir bisher nicht in\r\nErfahrung bringen.\r\nBundeskriminalamt und Innenministerium\r\nFinFisher hatte seine Büros im Münchener Stadtteil Obersendling, den Rest der halben Büro-Etage belegt die\r\nFirma Elaman GmbH. Die Büros der beiden Firmen sind direkt durch eine Glastür verbunden. Elaman hat als\r\nGegenstand den „nationalen und internationalen Vertrieb […] von Sicherheitsprodukten“. Laut jüngstem\r\nJahresabschluss hatte die Elaman GmbH 2020 durchschnittlich acht Angestellte.\r\nElaman verkauft FinFisher an deutsche Behörden wie das Bundeskriminalamt. Dazu hat Elaman einen Vertrag mit\r\ndem Bundesinnenministerium abgeschlossen. Wir haben das BKA verklagt, um den Vertrag von 2013 zu erhalten,\r\nund wir klagen gerade erneut auf die Ergänzungsvereinbarung zu diesem Vertrag.\r\nWir haben alle Beteiligten gefragt, ob der Vertrag zwischen Elaman und Innenministerium über den Staatstrojaner\r\nFinFisher noch besteht und ob Elaman und FinFisher die vertraglichen Leistungen weiterhin erfüllen. Elaman\r\nhttps://netzpolitik.org/2022/nach-pfaendung-staatstrojaner-hersteller-finfisher-ist-geschlossen-und-bleibt-es-auch/\r\nPage 3 of 7\n\nwollte keine Fragen zu FinFisher und Geschäftsbeziehungen mit Innenministerium und FinFisher beantworten\r\nund verwies uns an FinFisher.\r\nWir haben auf diversen Wegen versucht, ehemalige Geschäftsführer der FinFisher-Firmen zu erreichen. Die\r\noffiziellen E-Mail-Adressen und Telefonnummern funktionieren nicht mehr, im Büro konnten wir niemanden\r\nantreffen. Also haben wir unsere Anfragen auch an weiterhin funktionierende E-Mail-Adressen geschickt, diverse\r\nalternative Telefonnummern probiert und um Weiterleitungen unserer Anfragen gebeten. Eine Antwort haben wir\r\nnicht erhalten.\r\nDas Bundeskriminalamt verwies uns ans Innenministerium. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärt,\r\n„dass das BMI sich hierzu nicht öffentlich äußern kann. Der von Ihnen angefragte Vorgang ist als Verschlusssache\r\neingestuft.“\r\nExport ohne Genehmigung wäre Straftat\r\nStaatstrojaner werden immer wieder auch in Diktaturen eingesetzt. Viele Akteure, darunter Regierungen und\r\nNichtregierungsorganisationen werfen den Firmen vor, für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich zu sein.\r\nAuch FinFisher wurde immer wieder in Diktaturen gefunden, zum Beispiel in Äthiopien und Bahrain oder\r\nÄgypten.\r\nIm Sommer 2017 wurde eine FinFisher-Version in der Türkei entdeckt. Wie der Trojaner da hin kam, wissen wir\r\nnicht. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle muss einen Export in Länder wie die Türkei erlauben,\r\ndie Behörde des Bundeswirtschaftsministeriums hat aber keine Genehmigung erteilt. Ein Export ohne\r\nGenehmigung wäre eine Straftat. Im Fall Türkei hat die NGO-Koalition viele Indizien gesammelt und\r\nStrafanzeige gestellt.\r\nDie Staatsanwaltschaft sieht ebenfalls einen Anfangsverdacht auf eine Straftat, wie sie gegenüber netzpolitik.org\r\nerklärte:\r\nDie Ermittlungen werden weiterhin wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das\r\nAußenwirtschaftsgesetz gegen Geschäftsführer und Mitarbeiter der FinFisher GmbH und mindestens\r\nzweier weiterer Firmen geführt. Die Ermittlungen wurden aufgrund von Strafanzeigen im Sommer\r\n2019 aufgenommen. Es besteht der Verdacht, dass Software ohne die erforderliche\r\nAusfuhrgenehmigung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ausgeführt worden sein\r\nkönnte.\r\nFinFisher bestreitet diese Vorwürfe. In einer eidesstattlichen Versicherung erklärte der damalige Geschäftsführer\r\nim September 2019:\r\nDie FinFisher Labs GmbH hat die Software FinFisher entwickelt.\r\nDie FinFisher GmbH hat zu keinem Zeitpunkt die Software FinFisher in die Türkei verkauft oder\r\nvertrieben. Vor diesem Hintergrund hat die FinFisher GmbH auch zu keinem Zeitpunkt gegen\r\nAusfuhrvorschriften der Bundesrepublik Deutschland oder der EU verstoßen.\r\nhttps://netzpolitik.org/2022/nach-pfaendung-staatstrojaner-hersteller-finfisher-ist-geschlossen-und-bleibt-es-auch/\r\nPage 4 of 7\n\nDie Firma Elaman GmbH erklärte nach der Strafanzeige ebenfalls, sie habe „zu keinem Zeitpunkt die Software\r\nFinFisher in die Türkei verkauft oder vertrieben“.\r\nDie Firmen sind tot, die Ermittlungen laufen\r\nDie Staatsanwaltschaft in München hingegen nimmt die Vorwürfe der Strafanzeige so ernst, dass sie 15\r\nGeschäftsräume und Privatwohnungen in München und Rumänien durchsucht hat, dafür muss ein Verdacht\r\nvorliegen und begründet werden. Das Amtsgericht München hat die Durchsuchungen genehmigt. Ein Jahr später\r\nwollte die Staatsanwaltschaft mutmaßlich illegal erlangtes Vermögen pfänden, dafür muss eine Annahme\r\nvorliegen und begründet werden. Das Amtsgericht München hat die Pfändungen genehmigt.\r\nDas Ende der Firmen hat keine Auswirkungen auf die Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass das\r\nErmittlungsverfahren weiter läuft und noch nicht abgeschlossen ist. Staatsanwaltschaft und Zoll werten die\r\nbeschlagnahmten Dokumente aus und befragen Zeugen, darunter auch mehrere (ehemalige) Angestellte von\r\nFinFisher.\r\nWenn die Ermittler genug Beweise für strafbares Handeln finden, bringen sie den Fall zur Anklage. „Wann das\r\nErmittlungsverfahren abgeschlossen werden kann, ist derzeit noch nicht absehbar.“ Bis dahin gilt die\r\nUnschuldsvermutung.\r\nUpdate: Reaktionen und Statements\r\nNach erscheinen unseres Artikels erreichen uns einige Reaktionen und Statements, die wir dokumentieren:\r\nSarah Lincoln, Juristin und Verfahrenskoordinatorin der Gesellschaft für Freiheitsrechte:\r\nDie FinFisher GmbH ist aufgelöst. Ihr Geschäft mit illegalen Exporten von Überwachungssoftware an\r\nrepressive Regime ist gescheitert. Das ist ein direkter Erfolg unserer Strafanzeige.\r\nLisa Dittmer, Referentin für Internetfreiheit bei Reporter ohne Grenzen:\r\nDer Einsatz von Überwachungssoftware ist ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der\r\nBetroffenen, der insbesondere in Ländern mit repressiven Regimen dramatische Folgen haben kann –\r\nfür Journalisten und ihre Quellen, ebenso wie für Aktivistinnen und Oppositionelle.\r\nMiriam Saage-Maaß, Legal Director beim Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte:\r\nBislang konnten Firmen wie FinFisher trotz europäischer Exportregulierung fast ungehindert weltweit\r\nexportieren. Die strafrechtlichen Ermittlungen waren längst überfällig und führen hoffentlich zeitnah\r\nzur Anklage und Verurteilung der verantwortlichen Geschäftsführer. Aber auch darüber hinaus müssen\r\ndie EU und ihre Mitgliedstaaten viel entschiedener gegen den massiven Missbrauch von\r\nÜberwachungstechnologie vorgehen.\r\nDaniel Moßbrucker auf Zeit Online:\r\nhttps://netzpolitik.org/2022/nach-pfaendung-staatstrojaner-hersteller-finfisher-ist-geschlossen-und-bleibt-es-auch/\r\nPage 5 of 7\n\nFinFisher lieferte Spähsoftware, mutmaßlich auch an autoritäre Regime. Nun wurde die deutsche Firma\r\naufgelöst. Ein kleiner Erfolg im Kampf gegen die Überwachungsindustrie\r\nRyan Gallagher für Bloomberg:\r\nEin deutsches Unternehmen, das seit langem dafür kritisiert wird, Regierungen beim Ausspionieren von\r\nKommunikation zu helfen, hat nach Angaben der Behörden den Betrieb eingestellt und Insolvenz\r\nangemeldet.\r\nLinus Neumann, Pressesprecher des Chaos Computer Club:\r\nWir alle hoffen, dass das Ende von FinFisher nur der Anfang ist, und auch die Konkurrenz endlich\r\njuristische und finanzielle Konsequenzen zu spüren bekommt.\r\nThorsten Schröder, der mit Linus Neumann FinFisher analysiert hat:\r\nDas Ende von FinFisher ist nicht das Ende des Marktes für Staatstrojaner. Die nun entlassenen\r\nAngestellten werden sich neue Jobs suchen – vermutlich bei der Konkurrenz, die wohl auch die Kunden\r\nübernehmen wird.\r\nEdin Omanovic von Privacy International:\r\nVon Hacking Team über FinFisher bis zur NSO Group: Jedes Mal, wenn Staatstrojaner-Firmen ernsthaft\r\nüberprüft werden, finden wir eine Spur des Missbrauchs. Aber es zeigt, dass Forscher:innen,\r\nJournalist:innen und Aktivist:innen in der Lage sind, einige der geheimnisvollsten und am besten\r\nvernetzten Unternehmen der Welt zu entlarven und zur Verantwortung zu ziehen.\r\nKonstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender der Grünen Fraktion im Bundestag:\r\nDas endgültige Aus von FinFisher ist ein Paukenschlag. Auch wenn es mir um die Mitarbeiterinnen und\r\nMitarbeiter leid tut: Dem Unternehmen FinFisher sollte man keine Träne nachweinen. Über Jahre hat\r\nman in dem Wissen, dass die eigene Technik von zahlreichen Diktatoren dieser Welt eingesetzt wurde,\r\ndas eigene Geschäft sehr bewusst vor den Schutz von Menschenrechten gestellt. Dabei wurden\r\nbestehende Exportbestimmungen offensichtlich umgangen. Die Insolvenz zeigt auch noch einmal\r\neindrücklich, welch große Risiken sich ergeben, wenn sich Staat und Sicherheitsbehörden jede Frage\r\nnach wertegebundenen Partnern vom Tisch wischen und man sich zu sehr in Abhängigkeit einzelner,\r\nderart agierender Unternehmen begibt.\r\nMartina Renner, stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei:\r\nDas großartige Engagement der Zivilgesellschaft u.a. von Reporter ohne Grenzen, EHCCR und auch\r\nNetzpolitik hat dafür gesorgt, dass die illegale Verbreitung der Überwachungssoftware von FinFisher\r\nhoffentlich beendet ist. Aber die Bundesregierung muss hier die Karten auf den Tisch legen, ob dies\r\nauch alle Behörden umsetzen oder manche mit Nachfolge- oder Tochterfirmen weiter\r\nzusammenarbeiten.\r\nPeter Micek, General Counsel bei Access Now:\r\nhttps://netzpolitik.org/2022/nach-pfaendung-staatstrojaner-hersteller-finfisher-ist-geschlossen-und-bleibt-es-auch/\r\nPage 6 of 7\n\nDie Menschen, die Opfer von FinFishers mutmaßlich illegalen Exporten wurden, werden im Sturz\r\ndieses Unternehmens, der das direkte Ergebnis einer konzertierten Aktion der Zivilgesellschaft ist, ein\r\ngewisses Maß an Gerechtigkeit finden. Wir ermutigen die deutschen Behörden, die Vermögenswerte\r\nund Daten von FinFisher zu beschlagnahmen und zu vernichten, die Opfer zu entschädigen und die\r\nMacht der Exportkontrollen und der Strafverfolgung auszuspielen, um die Spyware-Händler dort zu\r\ntreffen, wo es weh tut.\r\nJurre van Bergen, Teamleiter für Informationssicherheit beim Projekt zur Erfassung und Veröffentlichung von\r\norganisierter Kriminalität und Korruption (OCCRP):\r\nFinFisher war einer der berüchtigtsten Verkäufer von Spyware. Die großartige Zusammenarbeit\r\nzwischen Journalist:innen, Aktivist:innen und Anwält:innen hat endlich für Gerechtigkeit gesorgt. Möge\r\ndies ein Vorbild dafür sein, in Zukunft mehr Überwachungsfirmen zur Rechenschaft zu ziehen.\r\nManuel Höferlin (FDP) und Saskia Esken (SPD) haben unsere Anfrage nicht beantwortet.\r\nSource: https://netzpolitik.org/2022/nach-pfaendung-staatstrojaner-hersteller-finfisher-ist-geschlossen-und-bleibt-es-auch/\r\nhttps://netzpolitik.org/2022/nach-pfaendung-staatstrojaner-hersteller-finfisher-ist-geschlossen-und-bleibt-es-auch/\r\nPage 7 of 7",
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